Die Insel unter dem Meer

Die Insel unter dem MeerIsabel Allende „Die Insel unter dem Meer“
Verlag: Suhrkamp / 2010
S. 14
„Damals machte man sich einen Spaß aus der »Hatz«, dem Töten wehrloser Menschen, auf die man die Hunde hetzte. Als die Eingeborenen vernichtet waren, führte man Sklaven ein, verschleppte sie aus Afrika und brachte außerdem Verbrecher, Waisen, Huren und Aufwiegler aus Europa als Sklaven auf die Insel.“

S. 18
„Die Affranchis besaßen keine politische Macht, bewegten aber eine Menge Geld. Deshalb wurden sie von den weißen Habenichtsen gehasst. Einige bestritten ihren Lebensunterhalt mit illegalen Geschäften, von Schmuggel bis Prostitution, […]“

S. 21
„Jetzt blieb Valmorain mehr Zeit zum Lesen, für die Jagd und seine Ausflüge nach Le Cap. Er hatte Bekanntschaft mit Violette Boisier gemacht, der gefragtesten Kokette der Stadt, einem freien Mädchen, das afrikanische Vorfahren hatte, und wie eine Weiße aussah und von dem es hieß, sie sei sauber und gesund.“

S. 34
„»Dein Sold reicht nicht für meinen Unterhalt. Mit dir würde es mir an allem fehlen: an Kleidern, Parfüm, Theaterbesuchen und Zeit zum Vertrödeln. Ich bin faul, Herr Hauptmann, bloß so kann ich meinen Lebensunterhalt bestreiten, ohne mir die Hände zu ruinieren, und lange wird das nicht mehr gehen.«
»Wie alt bist du?«
»Nicht sehr, aber dieses Gewerbe ist kurzlebig. Die Männer haben das immer gleiche Gesicht und Hinterteil rasch satt. Ich muss das zu Geld machen, was ich habe, sagt Loula.«“

S. 50
„Damals hatte ihre Mutter sie für das Gewerbe ausgebildet, in dem sie gute Gewinne erzielte, weil Violette sich nicht als Dienstmädchen krumm schuften sollte. Sie war eine gute Schülerin gewesen, und als ihre Mutter umgebracht wurde, konnte sie für sich sorgen, was auch Loula zu verdanken war, die mit eifersüchtiger Loyalität über sie wachte. Deshalb konnte sie auf einen männlichen Schutz verzichten und brauchte es weit in diesem undankbaren Beruf, in dem andere junge Frauen ihre Gesundheit und zuweilen auch ihr Leben ließen.“

S. 349
„Wie in allen Kreolenfamilien so wurde auch bei den Guizots das Tun und Lassen des Familienoberhaupts nicht in Frage gestellt; die Frauen nahmen die Eskapaden des Ehemanns hin, solange sie diskret gehandhabt wurden, und das wurden sie immer.“

S. 461
„Maurice begleitete seinen Vater widerstandslos überallhin, außer in ein luxeriöses Freudenhaus, in dem Valmorain ihm die teuersten Mädchen von Paris hatte spendieren wollen.
»Was hast du denn, mein Junge? Das ist normal und notwendig. Die Säfte des Körpers müssen sich entladen, und der Geist braucht Erfrischung, damit man seine Gedanken wieder auf anderes richten kann.«“

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