Eine Messe für die Stadt Arras

Eine Messe für die Stadt Arras

Eine Messe für die Stadt Arras

Andrzej Szczypiorski „Eine Messe für die Stadt Arras“
Verlag: Diogenes / 1988
S. 17

„So also war in jenem Frühling Arras mit dem lärmenden Völkchen von Burgundern und Engländern angefüllt. Es gab da auch eine englische Dirne, die in der Liebe sehr geschickt war. Sie zählte zwanzig und ein paar Jahre, und des nachts träumte ich von dieser Frau. Den Kommentar des Gerson hatte ich bald in die Ecke geworfen und streunte nun mit jener Dirne durch die Wiesen und freute mich des Lebens.
Eines Tages stürzte Albert auf mich los und schlug mir ins Gesicht. Ich litt furchtbar unter dem Schmerz und der Demütigung. Als ich endlich genesen war, hatte die Dirne Arras längst verlassen. Albert aber unterzog mich einem strengen Verhör.
»Woher die Gewißheit«, sagte ich damals frech, »daß es ziemlicher sei, Gott mit einem Disput über das Werk Meister Gersons zu ehren als mit den Lenden?. Du hast mir von Liebe gesprochen, Albert. Hundertmal mehr liebe ich den Bauch einer Frau als die Wälzer der Mummelgreise von der Sorbonne. Was hat schon Gerson von meinen Glossen! Er ist längst zu Staub zerfallen, und im besten Falle sehen wir uns in fünftausend Jahren im Tale Josaphat… Was aber die englische Dirne betrifft, so haben wir beide auf den Wiesen vor der Stadt das Glück gekostet. Und woher kann man wissen, ob nicht gerade das Gott wohlgefällig ist? «
»Du lästerst!« schrie Albert.“

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