In Sachen Kain & Abel

In Sachen Kain & Abel

In Sachen Kain & Abel

Ephraim Kishon „In Sachen Kain & Abel“
Verlag: Langen Müller / (genehmigte Sonderausgabe für Weltbildverlag) 1992
S. 69
Massive Massage
Seit einiger Zeit lese auch ich die Annoncen, die im »Kleinen Anzeiger« unserer Tageszeitung unter der Chiffre »Körperpflege« oder »Verschiedenes« immer üppiger ins Kraut schießen. »Kraut« ist vielleicht kein passender Ausdruck, aber »üppig« kommt in manchen Texte ganz ausdrücklich vor. Zum Beispiel teilt mir eine »Exotin mit üppiger Oberweite« mit, dass sie meinen Anruf erwartet, oder es ist, im Gegenteil, »Marilyn, schlank, blond, langbeinig«, die sich mir als Masseuse empfiehlt. Vergebens denke ich darüber nach, inwieweit die Tatsache, dass Marilyn blond und nicht brünett ist, ihre Massage beeinflusst, und was die Oberweite einer Exotin mit ihrer Knet-Technik zu tun hat. […]
Das Ganze ist wirklich sehr geheimnisvoll. Was meint die vollschlanke Sandra, wenn sie mir »individuelle Behandlung in privater Atmosphäre« anbietet? Will sie damit sagen, dass sie, solange ich bei ihr bin, keinen anderen Rücken reiben wird? Und was heißt »privat«? Hatte sie etwas die Absicht, mich vor Zuschauern zu massieren? […]
Im jahrtausendelangen Kampf ist es dem Menschen gelungen, die Natur zu beherrschen – nur seine eigene nicht. Dem Trieb seiner Sinne, dem Drängen seiner Drüsen steht er machtlos gegenüber. Und was tut er infolgedessen? Er betätigt seine Macht im Punkt des schwächsten Widerstandes. Er sperrt die Masseusen ein. Fünfzig Prozent unserer Polizeikräfte veranstalten Razzien auf liebeshungrige Männer, die anderen fünfzig Prozent jagen den Mädchen nach, die jenen Hunger zu stillen bereit sind.“

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