Loverboys – schöner Name, schmutzige Kulisse

Die Homepage für Angehörige & Betroffene – www.stoploverboys.nu

Facebook, Twitter und alle anderen sozialen Netzwerke bieten Chatfunktionen. Die werden rege und gern genutzt. Gerade diejenigen, die mit Internet und virtuellen Welten aufgewachsen sind, haben nur ein geringes Bewusstsein für die Gefahren, die sich aus zu vielen preisgegebenen persönlichen Daten ergeben.
Da kontaktet ein smarter Pakistani eine 15-Jährige via Facebook-Chat, es bahnen sich zarte Bande zwischen dem 25-Jährigen und dem Teenie aus Schleswig-Holstein an. Dass ihre Tochter Angie (Name geändert) auf einen sogenannten Loverboy hereingefallen ist, ahnt ihre Mutter erst, als sie nach dem Verschwinden des Mädchens deren Sachen durchsucht.
Angie, der Kleinstadt überdrüssig und den Komplimenten, dem vermeintlichen Verständnis und den Versprechungen ihres neuen „Freundes“ auf den Leim gegangen, belügt ihre Mutter und behauptet, eine Freundin besuchen zu gehen. In ihrer Not wendet sich die Mutter beim Nichtmehrnachhausekommen der Tochter nicht nur an die Polizei, sondern auch an die BILD Zeitung.
Sie berichtet davon, wie sie die Sachen Angies durchstöbert und dabei einen Zettel entdeckt habe, auf dem ihr Kind Preise für sexuelle Dienste notiert hatte.
Die niederländische Organisation „StopLoverboys“ versucht seit Jahren, auf die Problematik aufmerksam zu machen. Anita de Wit gründete eine Webseite mit Hilfsangeboten und Tipps. Auslöser war, dass ihre damals 15-Jährige Tochter von einem Jungen hörig gemacht worden, weggelaufen war, um am Ende im Gefängnis zu landen.
„StopLoverboys“ recherchierte im Netz, um Angies Mutter zu helfen. Auf einer Sexverkaufenden Plattform machten sie die Vermisste schließlich ausfindig: Angies Mutter musste ihr Mädchen dort in aufreizender Pose entdecken, offensichtlich bietet sie sich für sexuelle Dienstleistungen an.
„Bild“ informierte die Leser darüber, wie ein Beamter des Landeskriminalamtes sich als Freier ausgab und eine persönliche Verabredung mit Angie arrangierte. Der 46-jährige Besitzer der Wohnung, in der Angie für alle Wünsche ihrer Freier offen ist, ist mehrfach vorbestraft. Scheinbar war Angie bereits so hörig von ihrem vermeintlichen Liebhaber gemacht worden, dass sie sogar aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie floh, in der sie für eine Therapie gebracht worden war.
Ähnliche Fälle treten laut Bärbel Kannemann auch in Deutschland immer öfter auf. Die ehemalige Polizistin kümmert sich um Loverboy-Opfer für die Stiftung StopLoverboysNu. Kannemann versucht der deutschen Öffentlichkeit die Augen zu öffnen, dass Loverboys längst kein niederländisches Problem mehr seien. Auch Melanie (Name geändert) aus Nordrhein-Westfalen ist Opfer eines Mannes geworden, der sich das Vertrauen Minderjähriger erschleicht, um sie dann für sich anschaffen schickt.
Kannemann blickt auf schreckliche Geschichten zurück: 11-Jährige, die mit Drogen gefügig gemacht werden, Loverboy-Opfer, von ihren Lehrern an die Heizung gekettet vergewaltigt werden, 13-Jährige.
Inzwischen hat die ehemalige Polizistin Kannemann schon zwischen 80 und 100 Anfragen und Hilfsgesuche erhalten, die meisten kommen von besorgten Eltern aus Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg.
Im Fall Angie wurde das Mädchen nach neun Tagen von der Polizei in Gewahrsam genommen. Gegen den 46-Jährigen Zuhälter und einen etwa 20-Jährigen Mann unter anderem wegen der Förderung sexueller Handlungen Minderjähriger ermittelt.

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