Mein Name sei Gantenbein

Mein Name sei Gantenbein

Mein Name sei Gantenbein

Max Frisch „Mein Name sei Gantenbein“
Verlag: Süddeutsche Zeitung Bibliothek / 2004
S.27 ff.
„Von der Hausfrau, die Gantenbein an seinem Arm genommen hatte, laut unterrichtet, dass es eine Kokotte [Anm. eine Prostituierte] sei, die ihn beinah überfahren habe, eine Kokotte, jawohl, sagte er kein Wort. Ein Blinder richtet nicht. […] Da es sich nicht schickte, dass Gantenbein zuerst seines Weges ging, hatte er seinen Hut nochmals vom Kopf genommen, um den Staub abzuwischen, während die Hausfrau gegenüber der Kokotte immer unfeiner wurde. […] Das sagte sie noch mehrere Male, während sie in ihrer Krokodil-Tasche kramte, um auch ihren Namen zu geben, ein Kärtlein mit Büttenrand, das er sehr wohl lesen konnte; dennoch las sie vor: CAMILLA HUBER. Was darunter steht, verschwieg sie. Manicure. Das galt nicht für Blinde. Ebensowenig der Vermerk:  Nur nach telefonischer Vereinbarung.“

S.34
„Es ist furchtbar, lacht sie, ich bin keine Hausfrau, wissen Sie-
Das also scheint die Rolle zu sein, die Camilla spielen will: keine Hausfrau. Hofft sie, dass Gantenbein sie für eine Intelektuelle hält? Also jedenfalls keine Hausfrau; soviel steht fest. Eine Künstlerin? Gantenbein versteht: jedenfalls eine berufstätige Frau.“

S.35
„Gantenbein weiß jetzt, ihre Wohnung ist nicht violett, sondern durchaus geschmackvoll, gewöhnlich-geschmackvoll; es könnte auch die Wohnung einer Akademikerin sein, in der Tat, oder einer Grafikerin oder so. Nur fehlen die Bücher.“

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