Mettwurst ist kein Smoothie

Markus Barth „Mettwurst ist kein Smoothie“Mettwurst ist kein Smoothie, Markus Barth
Verlag: rowohlt / 2012 / eBook

S.120 (von 202)

„Ich halte uns nicht für prüde, wirklich nicht! Aber wenn Frank zu erzählen anfängt, erröten sogar Hamburger Hafennutten.“

S. 186 (von 202)

„Manchmal merkt man einfach, dass ich vom Lande komme. Mir selbst fiel das erst kürzlich wieder auf, als ich in Berlin in einem Hotel auf der Oranienburger Straße übernachtete und mir erst nach vier Tagen bewusst wurde, dass sich direkt vor der Tür der Straßenstrich befand. Ich war danach nicht ganz sicher, ob ich einfach komplett tittenblind bin oder nur wahnsinnig naiv. […]
»Los, wir gehen Nutten gucken!« sagte er, keine zwei Sekunden nachdem er in meinem Hotelzimmer  stand. […]
Als wir vorbei waren, fragte Henry mich irritiert: »Warum sprechen die uns nicht an?«Ich zuckte die Schultern. »Weil wir schwul sind!«
Henry prustete: »Das wissen die doch nicht!«
»Doch«, sagte ich. »Das wissen die.«
Prostituierte merken so etwas tatsächlich sofort. Ich bin noch nie in meinem Leben von einer angesprochen worden, egal ob in Hamburg oder in Berlin, und das obwohl ich weder bauchfreie Tops noch arschfreie Lederhosen trage. Die riechen das einfach. […]
»Entschuldigung, ich muss Sie jetzt mal was fragen«, blaffte Henry sie an. »Warum sprechen Sie mich nicht an? Haben Sie zu viel Geld? Sind Sie ausgebucht? Haben Sie geerbt?«
Die Prostituierte runzelte die Stirn, ließ dann zweimal teilnahmslos ihr Zungenpiercing durch die Lippen spitzen und sagte: »Schatzi, wat soll ick von dir denn wohl wollen? Schminktipps?«

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