Nacht über den Wassern

Nacht über den Wassern

Nacht über den Wassern

Ken Follet „Nacht über den Wassern“
Verlag: Bastei Lübbe / 1994
S. 44 ff.
„In einer Straße bemerkte sie drei aufgedonnerte Frauen, die seltsamerweise ohne Begleitung waren: Eine stand vor einer Tür, eine lehnte sich an eine Laterne, und eine saß in einem Wagen. Alle drei rauchten und warteten offensichtlich auf jemanden. Ob das wohl »gefallene Mädchen« waren, wie Mutter es immer nannte? […]
Plötzlich tauchte ein weißes Gesicht vor ihr auf. Erschrocken schrie sie auf. Das Gesicht kam näher, und sie sah einen jungen Mann im Abendanzug. »Hallo, Süße«, lallte er. […]
Der Polizist richtete seine Lampe auf Margarets Gesicht. Das Straßenmädchen murmelte: »Sie ist keine von uns, Steve.« Der mit Steve angesprochene Schutzmann fragte: »Wie heißen Sie, junge Frau?«
»Margaret Oxenford.«
Der Arbeiter mischte sich ein: »Ein Besoffener hat sie für ein Flittchen gehalten, so war’s.« Zufrieden stapfte er weiter.“ […]
Freundlich, aber nicht gerade mitfühlend, entgegnete der Schutzmann: »Man kann es ihm nicht wirklich ankreiden, immerhin ist dies die berüchtigtste Straße von ganz London. Wenn  man zu dieser Stunde hier auf ein Mädchen ohne Begleitung stößt, muss man ja annehmen, dass es eine Straßendirne ist.« […]
Margarets Retter bat sie, auf der gegenüberliegenden Bank Platz zu nehmen, dann trat er zu dem Wachhabenden hinter der Schranke. »Sergeant«, meldete er, »das ist Lady Margaret Oxenford. Sie wurde von einem Betrunkenen in der Bolting Lane belästigt.«
»Er nahm wohl an, dass sie auf Freiersuche war.«
Margaret staunte über die Vielfalt von Euphemismen für Prostitution. Offenbar scheute man allgemein davor zurück, sie beim Namen zu nennen und umschrieb sie. Bisher hatte sie nur auf sehr vage Weise davon gehört und bis heute nicht wirklich geglaubt, dass sie tatsächlich ausgeübt wurde. Aber an den Absichten des jungen Mannes im Abendanzug war durchaus nichts vage gewesen.“

S. 111
„Eddie war Mädchen gegenüber immer schüchtern gewesen.
Annapolis hatte er sozusagen unberührt verlassen. Während seiner Stationierung in Pearl Harbor hatte er sich mit Prostituierten eingelassen, aber das hatte ihm nur Ekel vor sich selbst eingebracht.“

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