Prostitution und Doppelmoral in China: Das „Gelbe“ und die „Ding-Dong-Mädchen“

ChinaDas kürzlich auf Englisch erschienene Buch „Hinter der roten Tür“ des amerikanischen Journalisten und Bloggers Richard Burger berichtet über Sex in China im 21. Jahrhundert. Dieses mutige Werk beschreibt ein gespaltenes Land in Sachen Erotik – es dürfen sich zwar halbnackte Frauen auf Plakaten räkeln, doch gleichzeitig boomt das Geschäft mit blutspritzende Hymen zum Einsetzen vor der Hochzeitsnacht und der Sexualkunde-Unterricht in der Schule ist laut Autor „beklagenswert unangemessen“. Außerdem würden KP-Funktionäre den seit Mao verankerten Erzkonservatismus mit konstanten Moralkampagnen unterstützen.
Auch beim Thema Prostitution gibt es ganz eindeutig Doppelmoral: Jeder Mann, der es sich finanziell leisten kann, hält sich eine Liebesdienerin. Trotzdem kann es sein, dass vor Wahlen oder Parteitagen Freier und Huren von der Straße geholt werden und Politikern „anstößiger“ Lebenswandel vorgeworfen wird.
Vor wichtigen Parteitagen lassen die Funktionäre Prostituierte von den Straßen holen und sie – manchmal auch ihre Freier – öffentlich demütigen. Stürzt ein Funktionär im innenpolitischen Machtkampf, wirft ihm die staatlich kontrollierte Presse oft einen „anstößigen Lebenswandel“ mit einer ganzen Reihe von Geliebten vor. Auch das „Gelbe“, so der abwertende beliebte Name der „Sünde Prostitution“, blüht insgeheim, wird aber offiziell tabuisiert und mißbraucht.
Burger stellt in seinem Buch auch die Hierarchie der derzeitigen chinesischen Prostitution vor. Da gibt es ganz oben „Zweitfrauen“, die früher Konkubinen genannt worden wären. Gegen Unterhalt der Lebenskosten stehen sie ihrem Freier ständig zur freien Verfügung, leben in einer natürlich von ihm finanzierten Wohnung oder in einem Haus. Die „Geliebten“ begleiten ihre Kunden zu Geschäftsessen und Dienstreisen und bestimmen in ihrer Qualität das Ansehen des Businessmannes. Die Drei-Hallen-Mädchen sind in Karaoke-Bars, Tanzlokalen oder Teehäusern angeheuert und auf Unterhaltung spezialisiert, „Ding-Dong-Mädchen“ werben in Hotels mit Telefonanrufen für Massagen und mehr und „Massage-Mädchen“ arbeiten in Badehäusern, Saunas und Fußpflegeläden auch sexuell. Ganz unten in der Hackordnung sind die Straßen- und Barackenmädchen, die unter einfachen Bedingungen sehr preiswerte sexuelle Dienstleistungen anbieten – oft an Wanderarbeiter.
In Zukunft soll die Nachfrage nach Prostitution noch steigen, denn die Ein-Kind-Politik der KP sorgt dafür, dass weibliche Föten oft abgetrieben werden und es schon bald einen krassen Frauenmangel gibt. (Quelle: Spiegel)

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